Schnaittach

2000

HEIMATMUSEUM

Author: Ina Schönwald
Quelle: Gottfried Stammler und „sein“ Museum –
Aspekte einer leidenschaftlichen Sammlung


„Museums- und Geschichtsverein“

Heute dürfen die Gründer von damals stolz behaupten: Wir haben es richtig gemacht!

25 Jahre darf auch diese Institution im Jubiläumsjahr des Heimatmuseums heuer begehen und wir sehen im Zusammenspiel von Verein und Marktgemeinde, der Unterstützung durch das BlfD und der Reorganisation der Sammlungsbestände durch Frau Dr. Brandmüller-Pfeil mit dem Museum einer guten Zukunft entgegen.
Wir müssen die Geschichte unserer Heimatmuseen mittragen, die Geschichte der Sammlungen ebenso wie die der Sammler vor, nach und vor allem auch während der Diktatur und des nationalsozialistischen Terrors. Die Heimatmuseen bewahren uns davor, in einer sich schnell wandelnden globalisierten Welt unsere Identität zu verlieren. Die Geschichte der Sammler und Sammlungen im Nationalsozialismus und deren offengelegte Dokumentation bindet uns ein in die große Geschichte unseres Landes mit der kleinen ambivalenten Geschichte vor Ort und erzählt, wie der Nationalsozialismus im Kleinen funktionieren konnte. Das ist nicht immer die gleiche Geschichte für jede heimatmuseale Sammlung, aber es ist ein Prozess, der uns allen nicht erspart bleiben wird. Die meisten der heimatbezogenen Sammlungen sind vor der nationalsozialistischen Herrschaft entstanden und haben damit eine Geschichte im oder mit dem Nationalsozialismus, niemals jedoch gegen ihn. Da sich der Nationalsozialismus umfangreich des vorhandenen Heimatbegriffs bediente und ihn zu benutzen wusste, sodass er bis in unsere Zeit verbrannt scheint.
Damit ist Schnaittach also nicht allein. Die in Heimatmuseen mitgetragenen Geschichten reichen von der Geburts- und Abtreibungsklinik für Zwangsarbeiterinnen in der Heimat und davon, wie deren Listen Bestandteil der heimatmusealen Sammlung werden konnten, bis eben zu jenen Zusammenhängen, die eine Synagoge bereits vor ihrer Zerstörung und Entweihung als geplanten Auf- und Ausstellungsort einer heimat- historischen Sammlung vorsehen.
Die Geschichte der Schnaittacher Sammlung ist Last und Chance zugleich. Kein anderer Ort bietet solch eine ehemals großartige beispielgebende Sammlung und solch eine furchtbare Geschichte ihrer Aufstellung und Aufbereitung vor Ort in jüdischen Kultusgebäuden. Jede Zeit versucht ihren Umgang damit. Ein letzter Höhepunkt war die großartige Eröffnung des Jüdischen Museums Franken in Synagoge und Vorsängerhaus im Jahr 1996, dem aber auch die heimatmusealen Objekte außerhalb der Dauerausstellung schnell weichen mussten und deren korrekte Aufbewahrung bis vor Kurzem jahr- zehntelang letztlich niemanden interessierte.
Ein Großteil der ambitionierten und überregional anerkannten Sammlung Stammlers ist daher zerstört und für immer verloren gegangen. Mindestens 30 Prozent, wie Nicole Brandmüller- Pfeil und Norbert Weber nun berichten können.
Wir brauchen Selbstbewusstsein, uns diese Geschichten ebenso zu erzählen wie die einer heilen Museumswelt, die von den „guten alten Zeiten“ bäuerlicher Lebenskultur und bodenständigem Handwerk erzählen mag, das beides ebenso wenig heil war wie die Geschichte der Sammlungen vor dem Zeithintergrund des Nationalsozialismus. Auch das ist Heimat, ohne den Verdienst der Sammler – und hier be- sonders auch Gottfried Stammlers – zu schmälern. Haben wir den Mut, beides zu erzählen und beidem seine Bedeutung zu lassen! Nur so können wir auch unsere Geschichte, die unserer Vorfahren, verstehen.
Heimatmuseen, als das mehr oder weniger „heimliche Gedächtnis der Gegenwart“, das „heimliche Gedächtnis der Republik“ sind ein Wissensspeicher für Zugezogene, sagt Claas Oberstadt. Lassen Sie uns das doch als notwendigen Auftrag verstehen, auch die Geschichte seiner Sammler und Sammlungserweiterungen vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus zu erzählen. Und zwar in den Einrichtungen selbst. In all ihrer Widersprüchlichkeit sind die Sammlungsgeschichte und der kompromisslos manisch-intensive Sammler Stammler selbst bestes Zeugnis eines Teils schwieriger und schmerzhaft darzustellender deutscher Geschichte, dessen man sich erinnern muss.
Und zwar genau so zwiespältig, wie er war! Können wir diese Zwiespältigkeit ertragen? Die lobenswerten und wertvollen Seiten von Sammler und Sammlung anerkennen und den Schrecken der damit verbundenen Umstände und Widerwärtigkeiten ertragen und einordnen?

IMPRESSIONEN

Heimatmuseum

Bei uns im Heimatmuseum Schnaittach

Kunigunde von Luxemburg

Kopf der Kunigunde (1310), 

WIKIPEDIA

Kunigunde von Luxemburg

Königin und Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches

IMPRESSIONEN

Heimatmuseum